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Warum der Solarboom auf Eigenheimen nachlässt

Der private Solarmarkt in Deutschland hat deutlich an Schwung verloren. Häufig wird die nachlassende Nachfrage nach Photovoltaikanlagen auf Einfamilienhäusern mit der neuen Energiepolitik von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche in Verbindung gebracht. Branchendaten des Bundesverbands Solarwirtschaft zeichnen jedoch ein differenzierteres Bild: Der Rückgang begann bereits 2024 – also vor dem Regierungswechsel.

Photovoltaik-Anlage (Foto: VZ NRW/adpic)

Nach Zahlen, die der Verband auf der Branchenmesse Intersolar vorstellte, ist der Zubau neuer Solarmodule auf privaten Hausdächern seit 2023 insgesamt um rund 40 Prozent gesunken. Allein im vergangenen Jahr wurde auf Eigenheimen 24 Prozent weniger Solarleistung installiert. Im ersten Halbjahr dieses Jahres setzte sich der Abwärtstrend mit einem Minus von zwölf Prozent fort. Auch auf Gewerbedächern fiel der Rückgang ähnlich deutlich aus.

Sonderboom durch Pandemie und Energiekrise läuft aus

Der Verband erklärt die Entwicklung vor allem mit dem Ende zweier Sondereffekte. Während der Corona-Pandemie investierten viele Haushalte Geld, das nicht für Reisen oder Freizeit ausgegeben wurde, in das eigene Zuhause. Die Solarbranche sprach damals von einem „Cocooning“-Effekt. 2022 hatten sich die privaten Solarinstallationen innerhalb eines Jahres auf rund 8000 Megawatt mehr als verdreifacht.

Der zweite Impuls kam durch den russischen Angriff auf die Ukraine und die anschließende Energiekrise. Der Stopp russischer Gaslieferungen und die stark gestiegenen Energiepreise verstärkten bei vielen Hausbesitzern den Wunsch, unabhängiger von Versorgern zu werden. Photovoltaikanlagen auf dem eigenen Dach galten plötzlich nicht nur als Klimaschutzprojekt, sondern auch als Schutz vor Preissprüngen.

Dieser Ausnahmeeffekt hat sich inzwischen abgeschwächt. Strom- und Gaspreise sind zwar weiterhin ein Kostenfaktor, die akute Krisenstimmung der Jahre 2022 und 2023 ist aber abgeflaut. Damit normalisiert sich auch die Nachfrage nach privaten Dachanlagen.

Große Solarparks halten den Markt stabil

Der gesamte Solarausbau in Deutschland brach trotz schwächerer Nachfrage bei privaten Anlagen nicht ein. Nach Angaben des BSW blieb der Zubau mit 17,6 Gigawatt fast auf Vorjahresniveau. Das lag vor allem an großen Solarparks.

Auf Freiflächen wurden im vergangenen Jahr 8,4 Gigawatt neue Leistung errichtet. Der Verband vergleicht diese Größenordnung bei Sonnenschein mit der Leistung von neun Atomkraftwerken. In den vergangenen Jahren hat sich die Leistung von Solarparks in Deutschland nahezu vervierfacht.

Damit verschiebt sich das Gewicht im Markt. Während Eigenheimbesitzer zurückhaltender werden, wächst die Stromerzeugung aus großen Anlagen weiter stark. Für die Energiewende ist das wichtig, verändert aber auch die Struktur der Branche: Der private Hausdachmarkt ist nicht mehr der alleinige Taktgeber.

Förderung wird zum Unsicherheitsfaktor

Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch die angekündigte Neuausrichtung der Förderung. Die Bundesregierung hat in Aussicht gestellt, die Subventionierung neuer Dach-Solaranlagen zu beenden. Außerdem sollen Besitzer von Photovoltaikanlagen künftig stärker an den Kosten des Netzausbaus beteiligt werden.

Für private Haushalte ist besonders die Einspeisevergütung entscheidend. Nach Angaben des Verbands verbrauchen Haush.

Förderung wird zum Unsicherheitsfaktor

Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch die angekündigte Neuausrichtung der Förderung. Die Bundesregierung hat in Aussichtalte etwa zwei Drittel ihres Solarstroms selbst. Das verbleibende Drittel wird ins Netz eingespeist und derzeit mit rund sieben Cent pro Kilowattstunde vergütet. Fällt diese Vergütung weg, verlängert sich die Amortisationszeit einer Dachanlage erheblich: von derzeit etwa zwölf Jahren auf bis zu 20 Jahre.

Das könnte die Investitionsbereitschaft weiter dämpfen. Gleichzeitig kann die Aussicht auf das Auslaufen der Förderung kurzfristig zu Vorzieheffekten führen. Ein leichtes Nachfrageplus von vier Prozent im Mai könnte darauf hindeuten, dass manche Haushalte noch vor möglichen Einschnitten investieren wollen.

Neue geopolitische Risiken könnten Nachfrage beleben

Trotz des Rückgangs sieht die Branche Anzeichen für eine mögliche Belebung. Nach einer BSW-Umfrage erwarten 72 Prozent der befragten Betriebe, dass Sorgen vor steigenden Benzin- und Gaspreisen die Nachfrage nach Heim-Photovoltaik wieder ankurbeln könnten. Hintergrund sind neue geopolitische Unsicherheiten und die Sorge vor erneuten Energiepreissprüngen.

Ob daraus ein neuer Boom entsteht, ist offen. Die bisherigen Daten sprechen eher für eine vorsichtige Nachfrageerholung als für eine Rückkehr zu den Ausnahmejahren 2022 und 2023. Entscheidend wird sein, wie sich Energiepreise, Förderbedingungen und Finanzierungskosten entwickeln.

Balkonkraftwerke wachsen, bleiben aber klein

Ein Sonderfall sind Steckersolargeräte, auch Balkonkraftwerke genannt. Ihre Nachfrage stieg im vergangenen Jahr um 15 Prozent. Viele Haushalte nutzen sie als vergleichsweise günstigen Einstieg in die eigene Stromerzeugung.

Für die gesamte Solarstromleistung spielen sie bislang aber nur eine Nebenrolle. Ihre installierte Leistung lag bei etwa einem Gigawatt. Insgesamt waren in Deutschland rund 122 Gigawatt Solarleistung installiert. Balkonkraftwerke sind damit sichtbar im Alltag angekommen, ersetzen aber keine großen Dachanlagen oder Freiflächenprojekte.

Ausbauziel bleibt anspruchsvoll

Nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz soll die Solarstromkapazität in Deutschland bis 2030 auf 215 Gigawatt steigen. Bisher ist dieses Ziel erst zu rund 57 Prozent erreicht. Um den Ausbaupfad einzuhalten, müsste das Tempo in den kommenden Jahren weiter steigen – nach Einschätzung des BSW um jährlich 15 bis 20 Prozent.

Der Rückgang auf privaten Dächern kommt deshalb zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Zwar tragen große Solarparks den Ausbau derzeit weiter. Für ein stabiles Erreichen der Ziele bleibt aber auch der dezentrale Zubau auf Häusern, Gewerbedächern und Balkonen wichtig.

Der Solarboom ist damit nicht vorbei. Er verändert nur seine Form. Aus der Sondersituation von Pandemie und Energiekrise wird ein Markt, der stärker von Wirtschaftlichkeit, Regulierung und Planungssicherheit abhängt. Genau daran entscheidet sich, ob private Hausdächer wieder stärker zur Energiewende beitragen.