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Entscheidet die „Biotreppe“ im Gesetz über die Wahl der richtigen Heizung?

Wer heute eine neue Heizung einbaut, trifft Entscheidungen für Jahrzehnte. Mit den Vorgaben des Gebäudeenergiegesetz ist dabei ein Begriff in die Diskussion gerückt, der zunächst technisch klingt: die sogenannte „Biotreppe“. Gemeint ist eine gestaffelte Pflicht, fossile Heizsysteme schrittweise mit erneuerbaren Energien zu betreiben. Entscheidet sie in Zukunft über die Wahl der richtigen Heizung?

Heizungskeller (Symbolbild AI generated)

Einbau bleibt möglich – aber mit Auflagen

Das geplante Gesetz schließt den Einbau rein fossil betriebener Heizungen nicht vollständig aus. Unter bestimmten Bedingungen dürfen etwa Gasheizungen weiterhin installiert werden. Voraussetzung ist jedoch, dass sie perspektivisch mit steigenden Anteilen klimafreundlicher Brennstoffe betrieben werden können. Die bisherige Regelung, dass fossil betriebene Heizungen ab dem Jahr 2045 untersagt sind, ist damit aufgehoben.

Das ist die „Biotreppe“. Sie definiert Zeitpunkte, ab denen ein wachsender Anteil sogenannter grüner Gase – etwa Biomethan oder Wasserstoff – eingesetzt werden muss. Die politische Idee dahinter: Bestehende Infrastruktur weiter nutzen, aber schrittweise klimaneutral umstellen.

Zeitplan für steigende Anteile

Zunächst sind vergleichsweise geringe Beimischungen vorgesehen, die im Laufe der Zeit deutlich steigen sollen. Langfristig zielt das Konzept darauf ab, fossile Brennstoffe wie Gas und Öl weitgehend zu ersetzen.

Nach den Regelungen muss der Anteil an „erneuerbaren“ Gasen ab 2029 schrittweise erhöht werden, bis er 2040 bei 60 Prozent liegt. Öl- und Gasheizungen bleiben auch darüber hinaus erlaubt. 2030 soll das Gesetz nochmal überarbeitet werden. Darauf hat sich die schwarz-rote Bundesregierung geeinigt.

Die konkreten Quoten und Zeitpunkte sollen politisch festgelegt und sich an den Klimazielen Deutschlands orientieren. Sie sollen Planungssicherheit schaffen, gleichzeitig aber Spielräume für technische Entwicklungen lassen.

Politische Begründung und Kritik

Vertreter der SPD sehen in der „Biotreppe“ ein Instrument, um Klimaschutz und Versorgungssicherheit zu verbinden. Durch den schrittweisen Umstieg könnten Emissionen reduziert und gleichzeitig Abhängigkeiten von importierten fossilen Energieträgern verringert werden.

Kritiker bezweifeln dagegen, dass ausreichend grüne Gase in den benötigten Mengen verfügbar sein werden. Insbesondere Biomethan ist begrenzt, und der Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur steht noch am Anfang. Zudem sind die Kosten für alternative Brennstoffe derzeit deutlich höher als für Erdgas.

Bedeutung für Eigentümer und Mieter

Für Hauseigentümer bedeutet die Regelung vor allem eines: Wer sich heute für eine neue Gasheizung entscheidet, legt sich langfristig auf steigende Betriebskosten und technische Anpassungen fest. Denn die Beimischungspflichten müssen erfüllt werden – unabhängig davon, wie sich Preise entwickeln.

Auch Mieter sind indirekt betroffen. Steigende Energiekosten können sich in den Nebenkosten niederschlagen, auch wenn die Hälfte der Kosten für CO2-Preis, Biogas-Anteil und Netzentgelte künftig vom Vermieter übernommen werden müssen.

Ein wesentlicher Kostenfaktor liegt in den Netzentgelten. Das Fraunhofer Institut IFAM hat berechnet, dass die Entgelte für die Nutzung des Gasnetzes Mitte der 2040er Jahre bei 3.300 bis 4.300 Euro jährlich für einen typischen 3-Personen-Haushalt liegen könnten. Das entspricht etwa einer Verzehnfachung zu heute. Immer weniger Kunden müssen in Zukunft die Instandhaltung des Netzes zahlen.

Letztlich sorgen auch die steigenden CO2-Preise dafür, dass Heizen mit Gas in Zukunft teurer wird. Denn selbst wenn 60 Prozent der Heizleistung von grünen Gasen übernommen werden, bleiben 40 Prozent fossil. Und auf diesen Anteil wird der CO2-Preis fällig. Derzeit liegt er bei 55 bis 65 Euro pro Tonne Kohlendioxid. Ab 2028 wird der europäische Emissionshandel allerdings auf Gebäude ausgeweitet, der Preis könnte auf über 300 Euro steigen.

Technische und wirtschaftliche Unsicherheiten

Ein zentraler Punkt der Debatte ist die Frage, wie realistisch die schrittweise Umstellung ist. Während Wärmepumpen oder Fernwärme bereits heute als etablierte Alternativen gelten, ist der großflächige Einsatz von Wasserstoff im Gebäudebereich noch mit Unsicherheiten verbunden.

Hinzu kommt, dass die Verfügbarkeit grüner Brennstoffe regional unterschiedlich ausfallen kann. Nicht jede Kommune wird kurzfristig Zugang zu entsprechenden Netzen oder Lieferketten haben.