In vielen älteren Häusern geht über die Außenwände unnötig viel Heizenergie verloren. Besonders betroffen sind häufig die Nischen unter den Fenstern, in denen Heizkörper eingebaut wurden. Dort ist die Außenwand oft deutlich dünner als an anderen Stellen. Eine nachträgliche Dämmung kann die Heizkosten senken.

Werden jedoch ungeeignete Materialien verwendet oder Fehler bei der Verarbeitung gemacht, drohen Feuchtigkeitsschäden und Schimmel. Fachleute warnen deshalb vor vermeintlich einfachen Lösungen aus dem Baumarkt.
Warum Heizkörpernischen besonders viel Wärme verlieren
In zahlreichen Gebäuden aus den 1950er- bis 1970er-Jahren wurden Heizkörper in Wandnischen unter den Fenstern installiert. Dadurch konnten die Heizkörper platzsparend untergebracht werden, ohne weit in den Raum hineinzuragen.
Der Nachteil dieser Bauweise liegt in der geringeren Wandstärke. Während die übrige Außenwand vergleichsweise massiv ist, bleibt hinter dem Heizkörper häufig nur eine dünne Schicht Mauerwerk. Über diese Fläche kann deutlich mehr Wärme nach außen entweichen.
Wie groß der Verlust ausfällt, hängt vom Aufbau der Wand, dem verwendeten Baumaterial und dem vorhandenen Dämmstandard ab.
Nach Einschätzung des unabhängigen Bausachverständigen Thomas Weber ist eine nachträgliche Dämmung besonders dann sinnvoll, wenn die Heizkörpernische bislang nur einen geringen Wärmeschutz bietet.
Allerdings sollte vor Beginn der Arbeiten geprüft werden, welche Dämmung zur vorhandenen Bausubstanz passt. Andernfalls kann die vermeintliche Energiesparmaßnahme neue Probleme verursachen.
Warum dünne Dämmfolien häufig wenig bringen
Im Baumarkt werden verschiedene Dämmfolien und sogenannte Dämmtapeten angeboten, die sich hinter Heizkörpern anbringen lassen. Viele dieser Produkte bestehen aus einer dünnen Schaumschicht mit reflektierender Oberfläche.
Sie versprechen eine einfache Möglichkeit, Wärmeverluste ohne größere Umbauarbeiten zu reduzieren.
Fachleute sehen solche Produkte allerdings kritisch. Entscheidend für den Wärmeschutz ist nicht allein das Material, sondern auch dessen Dicke und Wärmeleitfähigkeit.
Wenige Millimeter Dämmstoff können eine schlecht gedämmte Außenwand deshalb nur begrenzt verbessern.
Auch reflektierende Oberflächen entfalten ihre Wirkung nur unter geeigneten Einbaubedingungen. Wird eine solche Folie unmittelbar auf die Wand geklebt, ist der mögliche Nutzen deutlich eingeschränkt.
Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) warnt außerdem davor, Dämmplatten einfach hinter bereits montierte Heizkörper zu schieben. Sie können die Wärmeabgabe und Luftzirkulation behindern, wenn der ohnehin geringe Abstand zur Wand zusätzlich verkleinert wird.
Falsch angebrachte Dämmung kann Schimmel begünstigen
Noch problematischer als ein geringer Einspareffekt sind mögliche Feuchtigkeitsschäden.
Bei einer Innendämmung verändert sich die Temperaturverteilung innerhalb der Außenwand. Die ursprüngliche Wandoberfläche hinter der Dämmung wird kälter, weil weniger Wärme aus dem Innenraum dorthin gelangt.
Dringt warme, feuchte Raumluft durch Fugen oder Hohlräume hinter die Dämmung, kann dort Feuchtigkeit kondensieren. Bleibt diese über längere Zeit bestehen, können sich Schimmelpilze bilden.
Besonders tückisch ist, dass solche Schäden zunächst unsichtbar bleiben. Der Schimmel entsteht hinter der Dämmplatte und wird häufig erst bemerkt, wenn sich Geruch, Verfärbungen oder andere Feuchtigkeitsanzeichen zeigen.
Deshalb muss das gesamte Dämmsystem auf den vorhandenen Wandaufbau abgestimmt sein. Bei dafür vorgesehenen Innendämmsystemen ist eine fachgerechte, häufig vollflächige Verklebung wichtig. Entscheidend ist, dass keine unkontrollierte feuchte Raumluft hinter die Dämmung gelangen kann.
Bei einem noch montierten Heizkörper lässt sich eine solche Verarbeitung kaum zuverlässig durchführen.
Auch Fensterbank und seitliche Nischenflächen beachten
Eine Heizkörpernische besteht nicht nur aus der Wandfläche direkt hinter dem Heizkörper. Auch die seitlichen Begrenzungen und die Unterseite der Fensterbank können Wärmebrücken bilden.
Wird ausschließlich die Rückwand gedämmt, bleiben diese Bereiche möglicherweise deutlich kälter. Dort kann sich bei ungünstigen Bedingungen weiterhin Feuchtigkeit niederschlagen.
Fachleute empfehlen deshalb, die gesamte Nische bauphysikalisch zu betrachten und die Anschlüsse an angrenzende Bauteile sorgfältig zu planen.
Welche Dämmstoffdicke geeignet ist, hängt unter anderem vom verfügbaren Platz, der Wandkonstruktion und der Feuchtebelastung ab.
Der ZVSHK empfiehlt, die Arbeiten von einem qualifizierten Fachbetrieb ausführen zu lassen.
Dämmung am besten mit Heizkörpersanierung verbinden
Besonders sinnvoll ist es, die Dämmung im Zuge einer ohnehin geplanten Heizkörpersanierung vorzunehmen.
Wenn der Heizkörper demontiert wird, ist die dahinterliegende Wand vollständig zugänglich. Dadurch können die Dämmplatten fachgerecht angebracht und die Anschlüsse sorgfältig ausgeführt werden.
Zugleich lässt sich prüfen, ob der Heizkörper nach der Dämmung wieder an derselben Stelle montiert werden sollte oder ob eine andere Position sinnvoller ist.
Bei einer umfassenden energetischen Sanierung kann auch die vollständige Beseitigung der Heizkörpernische infrage kommen. Dabei wird die Vertiefung geschlossen und der Heizkörper vor einer durchgehend aufgebauten Wand installiert.
Ist ohnehin eine Außendämmung der gesamten Fassade geplant, sollte zunächst geprüft werden, ob eine zusätzliche Dämmung der Heizkörpernische überhaupt noch erforderlich ist.
Wie viel Heizkosten lassen sich sparen?
Eine fachgerecht ausgeführte Dämmung kann sich wirtschaftlich lohnen. Die tatsächliche Ersparnis hängt jedoch stark vom Gebäude und den Energiepreisen ab.
Bausachverständiger Thomas Weber nennt als Beispiel ein unsaniertes Wohnhaus aus den 1960er-Jahren mit zehn bis 15 Heizkörpernischen von jeweils rund zwei Quadratmetern Fläche.
Bei einer Dämmung mit fünf Zentimetern Polyurethan beziffert er das mögliche Einsparpotenzial auf etwa 300 bis 400 Euro jährlich.
Für die Dämmung einschließlich Verkleidung und Arbeitskosten nennt die Beispielrechnung rund 54 Euro je Quadratmeter.
Bei 15 Nischen mit zusammen 30 Quadratmetern ergäben sich damit rechnerisch Kosten von etwa 1.620 Euro.
Unterstellt wird eine jährliche Heizkostenersparnis von 300 Euro, wäre die Investition nach ungefähr fünfeinhalb Jahren ausgeglichen. Bei 400 Euro Einsparung verkürzt sich dieser Zeitraum auf rund vier Jahre.
Diese Werte sind allerdings lediglich eine Modellrechnung. Sie beruhen auf bestimmten Annahmen zu Gebäudezustand, Energieverbrauch und Preisen und lassen sich nicht ohne Weiteres auf andere Häuser übertragen.
Hinzu kommen gegebenenfalls Kosten für das Abnehmen und erneute Montieren der Heizkörper. Die Wirtschaftlichkeit verbessert sich deshalb, wenn die Dämmarbeiten mit ohnehin notwendigen Sanierungsmaßnahmen verbunden werden.
Energieberatung vor der Renovierung kann Schäden verhindern
Vor einer nachträglichen Dämmung sollte zunächst der Zustand der Außenwand untersucht werden. Dabei ist insbesondere zu klären, ob bereits Feuchtigkeitsschäden vorhanden sind und wie sich der Wärmeschutz durch die geplante Maßnahme verändert.
Ein unabhängiger Energieberater kann die Heizkörpernischen im Zusammenhang mit der gesamten Gebäudehülle bewerten.
Das ist auch deshalb sinnvoll, weil eine einzelne Dämmmaßnahme nicht immer die wirtschaftlich beste Lösung darstellt. Werden beispielsweise in wenigen Jahren ohnehin die Fenster ausgetauscht und die Fassade gedämmt, kann eine vorgezogene Innendämmung zusätzliche Kosten verursachen.
Die Planung sollte deshalb möglichst in einen langfristigen Sanierungsfahrplan eingebunden werden.
Für die Suche nach unabhängigen Fachleuten kommen unter anderem die Verbraucherzentralen, der Verband Privater Bauherren und der Bauherren-Schutzbund infrage.
Heizkörper freihalten und Wärme besser verteilen
Nicht in jedem Gebäude ist eine nachträgliche Dämmung kurzfristig möglich. Besonders in Mietwohnungen können bauliche Veränderungen ohne Zustimmung des Vermieters ausgeschlossen sein.
Dennoch lässt sich die Wärmeverteilung im Raum häufig verbessern.
Heizkörper sollten möglichst frei stehen. Große Möbel, dichte Vorhänge oder Heizkörperverkleidungen können die Abgabe der Wärme an den Raum behindern.
Auch Zugluft durch undichte Fenster oder Türen beeinträchtigt den Wohnkomfort. Werden solche Schwachstellen beseitigt, kann sich die gefühlte Raumtemperatur verbessern, ohne dass die Heizung stärker aufgedreht werden muss.
Wichtig ist außerdem, dass die Heizkörper gleichmäßig warm werden. Bleiben einzelne Bereiche kalt oder treten Strömungsgeräusche auf, kann Luft im Heizsystem eine Ursache sein. Dann sollte geprüft werden, ob eine Entlüftung oder eine Überprüfung der Heizungsanlage notwendig ist.
Wärmeschutz und Feuchtigkeit müssen zusammen betrachtet werden
Eine schlecht gedämmte Heizkörpernische kann nicht nur unnötige Heizkosten verursachen, sondern auch das Risiko für Feuchtigkeit an kalten Wandoberflächen erhöhen.
Eine fachgerecht geplante Dämmung kann beide Probleme verringern. Unsachgemäß angebrachte Dämmfolien oder Platten können dagegen wirkungslos bleiben und im ungünstigen Fall verdeckte Schimmelschäden begünstigen.
Entscheidend ist deshalb nicht, möglichst schnell eine zusätzliche Schicht hinter dem Heizkörper anzubringen. Vielmehr müssen Dämmstoff, Wandaufbau, Luftdichtheit und Feuchteschutz zusammenpassen.
Gerade bei älteren Gebäuden lohnt es sich, die Maßnahme mit einer Energieberatung und gegebenenfalls einer ohnehin anstehenden Heizkörpersanierung zu verbinden. So lassen sich Wärmeverluste gezielt reduzieren, ohne neue Bauschäden zu riskieren.



