Im Keller arbeitet die Wärmepumpe meist unauffällig. Erst an sehr kalten Tagen oder beim Warmwasser fällt manchmal auf, dass ein zweiter Helfer im System steckt: der Heizstab. Er kann Wärme schnell und zuverlässig liefern. Genau das macht ihn praktisch – und zugleich zum möglichen Kostentreiber.

Was ein Heizstab in der Wärmepumpe macht
Ein Heizstab ist im Prinzip eine elektrische Widerstandsheizung. Er erwärmt Heizungs- oder Speicherwasser direkt mit Strom, ähnlich wie ein Tauchsieder. Anders als die Wärmepumpe nutzt er keine Umweltwärme aus Luft, Erdreich oder Grundwasser. Eine Kilowattstunde Strom wird also ungefähr zu einer Kilowattstunde Wärme.
Damit unterscheidet er sich stark von der Wärmepumpe selbst. Diese kann aus einer Kilowattstunde Strom je nach Bedingungen drei bis fünf Kilowattstunden Wärme erzeugen. Die Verbraucherzentrale beschreibt genau diesen Effizienzvorteil als Kern der Wärmepumpentechnik.
Der Heizstab ist deshalb nicht als Dauerheizung gedacht. Er ist Reserve, Unterstützung und Sicherheitsbaustein.
Warum Wärmepumpen überhaupt einen Heizstab haben
Besonders Luft-Wärmepumpen verlieren bei niedrigen Außentemperaturen an Leistung. Aus kalter Winterluft lässt sich weiterhin Wärme gewinnen, aber weniger effizient und mit höherem Strombedarf. Gleichzeitig braucht das Haus gerade dann besonders viel Heizleistung. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass bei Luft-Wärmepumpen an kalten Wintertagen andere Wärmeerzeuger einspringen können, was Betriebskosten erhöht und die Jahresarbeitszahl verschlechtert.
Der Heizstab deckt solche Spitzen ab. Er verhindert, dass Räume auskühlen, wenn die Wärmepumpe allein nicht genug Leistung liefert. Außerdem kann er beim Abtauen des Außengeräts helfen oder Warmwasser auf höhere Temperaturen bringen.
Bei Erdwärmepumpen ist die Lage anders. Erdreich oder Grundwasser liefern gleichmäßigere Quellentemperaturen als Außenluft. Deshalb kann ein Heizstab dort seltener notwendig sein; Fachinformationen ordnen ihn bei Erdwärmepumpen häufig eher als optionale Reserve ein.
Der Bivalenzpunkt entscheidet
Wichtig ist der sogenannte Bivalenzpunkt. Er beschreibt die Außentemperatur, ab der die Wärmepumpe Unterstützung braucht. Bei einer monoenergetischen Anlage übernimmt dann ein elektrischer Heizstab einen Teil der Wärmeversorgung.
Dieser Punkt ist keine feste Naturgrenze, sondern Teil der Planung und Einstellung. Liegt er zu hoch, springt der Heizstab zu früh an. Dann wird unnötig viel teurer Direktstrom verheizt. Liegt er zu niedrig, kann es an sehr kalten Tagen knapp werden. Fachratgeber nennen für Luft-Wärmepumpen mit Heizstab häufig Bivalenzpunkte im Bereich von etwa minus zwei bis minus acht Grad, wobei der konkrete Wert vom Gebäude und der Anlage abhängt.
Für Eigentümer ist das entscheidend: Nicht das Vorhandensein des Heizstabs ist das Problem, sondern seine Betriebszeit.
Wann der Heizstab sinnvoll ist
Sinnvoll ist der Heizstab als Not- und Spitzenlastheizung. Er springt ein, wenn extreme Kälte, ein hoher Warmwasserbedarf oder eine besondere Betriebssituation die Wärmepumpe überfordert. Auch bei der Warmwasserbereitung kann er helfen, wenn höhere Speichertemperaturen erreicht werden müssen.
Manche Anlagen nutzen ihn zudem zur Legionellenprophylaxe, also zur zeitweisen Erhöhung der Warmwassertemperatur. Ob das im Einfamilienhaus regelmäßig nötig ist, hängt von Speichergröße, Leitungssystem, Nutzung und hygienischer Bewertung ab. Pauschale Dauerprogramme können die Stromkosten unnötig erhöhen.
Ein weiterer sinnvoller Einsatz ist die Absicherung bei Störungen. Fällt die Wärmepumpe teilweise aus, kann der Heizstab vorübergehend verhindern, dass das Haus kalt bleibt. Er ersetzt dann aber keine Reparatur.
Wann er zum Effizienz-Killer wird
Problematisch wird der Heizstab, wenn er häufig oder dauerhaft läuft. Dann sinkt die Jahresarbeitszahl der gesamten Anlage deutlich. Der Vorteil der Wärmepumpe – aus wenig Strom viel Wärme zu machen – wird teilweise aufgehoben.
Ein hoher Heizstabanteil kann mehrere Ursachen haben: Die Wärmepumpe ist zu klein dimensioniert, die Heizkurve zu hoch eingestellt, der Bivalenzpunkt falsch gesetzt, Heizflächen sind zu klein, der hydraulische Abgleich fehlt oder das Gebäude braucht zu hohe Vorlauftemperaturen. Auch ein ungünstig eingestellter Warmwasserspeicher kann den Heizstab häufiger aktivieren als nötig.
Der Bundesverband Wärmepumpe verwies in einer Stellungnahme darauf, dass der Heizstab nur einen begrenzten Teil der erzeugten Energiemenge ausmachen sollte; genannt wird dort nach DIN EN 15450 ein Anteil von nicht mehr als fünf Prozent.
Für Betreiber ist deshalb die Kontrolle wichtig. Viele Wärmepumpen zeigen an, wie viele Stunden der Heizstab gelaufen ist oder wie viel Energie er verbraucht hat. Diese Werte sollten regelmäßig geprüft werden.
Kosten: Kleine Komponente, große Wirkung
Der Heizstab selbst ist kein besonders teures Bauteil. Einfache Modelle kosten deutlich weniger als zentrale Komponenten der Wärmepumpe; Fachportale nennen grob Beträge von rund 100 bis 250 Euro zuzüglich Montage.
Teuer wird nicht die Anschaffung, sondern der Betrieb. Wenn der Heizstab zehn Kilowattstunden Wärme liefert, verbraucht er ungefähr zehn Kilowattstunden Strom. Die Wärmepumpe hätte dafür je nach Effizienz vielleicht nur zwei bis vier Kilowattstunden gebraucht. Genau diese Differenz erscheint später auf der Stromrechnung.
Bei wenigen sehr kalten Tagen ist das hinnehmbar. Bei wochenlangem Betrieb wird es wirtschaftlich problematisch.
Was Eigentümer prüfen sollten
Wer eine Wärmepumpe besitzt, sollte nicht nur auf Raumtemperaturen achten, sondern auf Betriebsdaten. Wie oft läuft der Heizstab? Bei welchen Außentemperaturen schaltet er zu? Ist er für Heizung, Warmwasser oder beides freigegeben? Welche Warmwassertemperatur ist eingestellt?
Sinnvoll sind außerdem hydraulischer Abgleich, passende Heizkurve, ausreichend große Heizflächen und möglichst niedrige Vorlauftemperaturen. Je besser das Gebäude mit niedrigen Temperaturen warm wird, desto seltener braucht die Anlage direkte elektrische Zusatzwärme.
Bei Planung einer neuen Wärmepumpe sollte der Heizstab nicht als bequeme Ausrede für knappe Dimensionierung dienen. Eine bewusst etwas kleinere Wärmepumpe mit seltenem Heizstabeinsatz kann sinnvoll sein. Eine dauerhaft unterdimensionierte Anlage, die regelmäßig per Heizstab nachheizt, ist es nicht.
Reserve statt Hauptdarsteller
Der Heizstab ist weder grundsätzlich falsch noch automatisch ein Zeichen schlechter Planung. In vielen Wärmepumpensystemen ist er eine nützliche Sicherheitsreserve. Er macht die Anlage robuster, deckt Extremfälle ab und kann Warmwasser unterstützen.
Sein Ruf als Effizienz-Killer entsteht erst, wenn er zu oft arbeitet. Dann wird aus der praktischen Ergänzung eine teure Direktheizung. Für Eigentümer liegt der entscheidende Punkt deshalb nicht im Bauteil selbst, sondern in Planung, Einstellung und Kontrolle. Ein guter Heizstab fällt im Alltag kaum auf – und genau das ist meist das beste Zeichen.



