Der Wandel in der Heiztechnik ist längst eingeleitet. Langfristig werden Gasheizungen immer häufiger durch Wärmepumpen ersetzt, doch gerade im Altbau stellt sich die Frage, welches System dort zuverlässig funktionieren kann. Viele Gebäude verfügen über alte Heizkörper, hohe Vorlauftemperaturen und eine Dämmung, die nicht auf niedrige Temperaturen ausgelegt ist. Eine mögliche Lösung ist die Hochtemperatur-Wärmepumpe. Sie wurde speziell für Bestandsgebäude entwickelt und kann höhere Temperaturen bereitstellen als klassische Modelle.

Warum der Altbau besondere Anforderungen stellt
Altbauten benötigen häufig Vorlauftemperaturen von 60 Grad und mehr, damit die vorhandenen Heizkörper ausreichend Wärme abgeben. Konventionelle Wärmepumpen erreichen solche Temperaturen nur eingeschränkt oder verlieren bei hohen Werten deutlich an Effizienz.
Hinzu kommt, dass ältere Gebäude oft größere Wärmeverluste haben. Ohne Sanierung oder neue Heizflächen arbeiten viele Standard-Wärmepumpen an ihrer Leistungsgrenze. Das macht eine zusätzliche Lösung notwendig, die höhere Anforderungen erfüllt, ohne das gesamte Heizsystem umbauen zu müssen.
Hier setzt die Hochtemperatur-Wärmepumpe an. Sie wurde entwickelt, um auch in weniger gedämmten Bestandsgebäuden zuverlässig zu funktionieren und klassische Heizkörper weiter zu nutzen.
Wie Hochtemperatur-Wärmepumpen funktionieren
Der Unterschied zu herkömmlichen Modellen liegt vor allem im Kältemittel und im internen Aufbau. Hochtemperatur-Wärmepumpen nutzen häufig alternative Kältemittel wie R290 (Propan), das höhere Temperaturen ermöglicht.
Viele Systeme arbeiten zweistufig. Das bedeutet, dass zwei Verdichter nacheinander höhere Druckstufen erzeugen, wodurch am Ende bis zu 70 oder sogar 80 Grad Vorlauftemperatur möglich sind. Die Wärmepumpe bleibt dadurch auch bei niedrigen Außentemperaturen leistungsfähig.
Diese Technik ist nicht nur für Radiatoren interessant, sondern auch für Warmwassersysteme, die höhere Temperaturen benötigen. In Gebäuden, in denen eine Legionellenschaltung erforderlich ist, können Hochtemperatur-Wärmepumpen die nötigen Temperaturen erzeugen, ohne elektrische Heizstäbe dauerhaft zuzuschalten.
Vorteile im Bestand
Der größte Vorteil ist die Nutzung der vorhandenen Heizkörper. Eigentümer müssen das Haus nicht umfassend sanieren oder Fußbodenheizungen nachrüsten. Das reduziert den Aufwand und ermöglicht den Umstieg auf erneuerbare Wärme mit vergleichsweise geringem Eingriff in die Gebäudestruktur.
Auch der Betrieb bleibt komfortabel. Die Wärmepumpe arbeitet vollautomatisch, ist wartungsarm und benötigt keinen Brennstofflagerraum. Da sie keine fossilen Energieträger verbrennt, entfallen Gerüche, Abgase und die jährliche Schornsteinfegerprüfung.
In vielen Fällen lassen sich Hochtemperatur-Wärmepumpen in bestehende Hydrauliken integrieren. Das erleichtert den Tausch der alten Gas- oder Ölheizung und reduziert Installationskosten.
Grenzen und Herausforderungen
Die Technik hat jedoch ihre Grenzen. Hochtemperatur-Wärmepumpen arbeiten weniger effizient als Systeme, die nur 40 bis 55 Grad benötigen. Damit steigen die Stromkosten. Effizienzgewinne ergeben sich erst, wenn zumindest einzelne Verbesserungen am Gebäude vorgenommen werden, etwa neue Fenster oder kleinere Dämmmaßnahmen.
Auch die Geräuschentwicklung kann höher sein, insbesondere bei zweistufigen Modellen. Für dichte Wohnbebauung ist die genaue Standortplanung wichtig. Zudem sind Hochtemperatur-Wärmepumpen teurer als Standardgeräte. Die Anschaffungskosten liegen spürbar höher, was sich erst durch langfristigen Betrieb und geringere Abhängigkeit von fossilen Energiepreisen relativiert.
Die Förderlandschaft verändert sich zudem regelmäßig. Eigentümer sollten prüfen, welche Förderprogramme aktuell gelten und welche Anforderungen erfüllt werden müssen. Manche Programme bevorzugen Systeme, die besonders effiziente Betriebsmodi unterstützen, was bei Hochtemperatur-Lösungen nicht in jedem Fall gegeben ist.
Beispiele aus der Praxis
Viele Hersteller entwickeln inzwischen Geräte speziell für den Bestand. Sie erreichen Vorlauftemperaturen von 70 bis 80 Grad und können in Häusern eingesetzt werden, die vor Jahrzehnten erbaut wurden. In typischen Altbauten mit Gussheizkörpern lassen sich damit Räume zuverlässig beheizen, ohne die Struktur des Heizsystems zu verändern.
In moderat sanierten Altbauten arbeiten Hochtemperatur-Wärmepumpen besonders effizient. Wenn Außendämmung oder neue Fenster vorhanden sind, sinken die benötigten Temperaturen, und die Wärmepumpe kann zeitweise im effizienteren Modus laufen.
Ein weiterer Anwendungsfall sind Mehrfamilienhäuser. Dort erlauben die höheren Vorlauftemperaturen den Betrieb zentraler Heizsysteme, ohne dass jeder einzelne Heizkörper auf niedrige Temperaturen umgerüstet werden muss.
Eine Option für den Übergang und die Zukunft
Für viele Eigentümer bietet die Hochtemperatur-Wärmepumpe die Möglichkeit, den Wechsel weg von fossilen Brennstoffen zu schaffen, ohne das Gebäude vollständig umbauen zu müssen. Sie verbindet die Flexibilität der Wärmepumpentechnik mit der Leistungsfähigkeit für Bestandsgebäude und ist damit eine Option für Haushalte, die nicht sofort umfangreich sanieren wollen oder können.



