Alte Ziegelwände, klassische Radiatoren, keine Fußbodenheizung, kein energetischer Neubaustandard: Das Haus von Jan Rosenow wurde 1880 erbaut. Und dennoch entschied sich der englische Wissenschaftler, in sein altes Haus eine Wärmepumpe einzubauen.
Als Gastautor schildert der Brite im Focus seine Erfahrungen mit der Umstellung des Altbaus auf eine Wärmepumpe und widerspricht damit gängigen Vorurteilen der deutschen Heizungsdebatte. Entgegen der verbreiteten Annahme funktionierten Wärmepumpen im Altbau grundsätzlich nicht, zeigt sein Beispiel: Mit sorgfältiger Planung, angepasster Auslegung und ohne umfassende Sanierung kann auch ein historisches Gebäude zuverlässig und komfortabel beheizt werden. Eine Fußbodenheizung oder Vollsanierung sei dafür nicht zwingend nötig.
Wasserstoff nicht sinnvoll
Zugleich betont der Autor, dass Wärmepumpen nicht die einzige Lösung der Wärmewende sind. Fernwärme spiele insbesondere in Städten und Quartieren eine zentrale Rolle, da sie technische Komplexität vom einzelnen Haushalt auf das Gesamtsystem verlagert und schrittweise klimaneutral werden kann. Beide Technologien seien keine Gegensätze, sondern ergänzende Bausteine.
Kritisch sieht der Text fossile Übergangslösungen wie neue Gasheizungen oder wasserstofffähige Thermen. Diese seien teuer, riskant und würden langfristig Investitionen in erneuerbare Wärme blockieren. Wasserstoff sei im Gebäudebereich weder ausreichend verfügbar noch wirtschaftlich sinnvoll.
Das deutsche Gebäudeenergiegesetz schreibt laut Autor keine bestimmte Technik vor, sondern lediglich den Einsatz erneuerbarer Energien. Problematisch sei weniger das Gesetz selbst als die politische Unsicherheit, die Investitionen in Netze und Infrastruktur hemme.
Fazit: Die Wärmewende ist mit heutiger Technik bereits machbar – im Zusammenspiel von Wärmepumpen, Fernwärme und Effizienzmaßnahmen. Statt ideologischer Entweder-oder-Debatten brauche es Planungssicherheit, kommunale Strategien und einen konsequenten Ausbau erneuerbarer Wärmelösungen.



