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Wärmepumpe nach Stromausfall kaputt: Warum die Heizung plötzlich nicht mehr funktioniert

Seit zwei Wochen sitzt ein Ehepaar in Schleswig-Holstein in einem kalten Haus. Beim großen Stromausfall an der Westküste am 18. Oktober wurde offenbar auch seine Wärmepumpe beschädigt. Seitdem funktioniert die Heizung nicht mehr. Besonders bitter für die Betroffenen: Nach ihrer Darstellung lässt eine hilfreiche Reaktion des Herstellers auf sich warten. Während draußen die Temperaturen sinken, ist unklar, wann die Anlage wieder Wärme liefern wird.

Eine Wärmepumpe sorgt für Wärme im Haus – und das besonders umweltfreundlich (Foto: STIEBEL ELTRON)

Das Ehepaar ist mit seinem Problem nicht allein. Beim Stromausfall in Schleswig-Holstein waren zeitweise rund 40.000 Haushalte ohne Elektrizität. Anschließend meldeten zahlreiche Bewohner beschädigte Elektrogeräte, darunter Wärmepumpen, Waschmaschinen und Photovoltaikanlagen. Bis zum 28. Oktober gingen beim Netzbetreiber SH Netz rund 3.500 Schadensmeldungen ein. Die geltend gemachten Schäden summieren sich auf mehrere Millionen Euro. Besonders schwer wiegen die Ausfälle von Heizungsanlagen: In Schafstedt waren beispielsweise alle drei Seniorenwohnanlagen mit insgesamt 20 Wohnungen betroffen.

Der Vorfall zeigt eine bislang wenig beachtete Schwachstelle moderner Heiztechnik. Wärmepumpen benötigen Strom nicht nur für ihren Verdichter, sondern auch für die Steuerung, Umwälzpumpen und Sicherheitseinrichtungen. Fällt die Versorgung aus, steht die Heizung still. Normalerweise nimmt sie nach der Wiederherstellung der Stromversorgung ihren Betrieb wieder auf. Unter bestimmten Umständen können aber Schäden entstehen, die weit über die Dauer des eigentlichen Stromausfalls hinausreichen.

Nicht der Stromausfall, sondern die Überspannung kann gefährlich werden

Ein gewöhnlicher Stromausfall sollte eine fachgerecht installierte Wärmepumpe nicht dauerhaft beschädigen. Moderne Geräte sind grundsätzlich darauf ausgelegt, nach einer Unterbrechung der Versorgung wieder anzulaufen. Problematisch wird es vor allem dann, wenn im Stromnetz außergewöhnliche Spannungsschwankungen oder Überspannungen auftreten. Diese können empfindliche elektronische Bauteile beschädigen, insbesondere Steuerplatinen, Leistungselektronik und andere Komponenten der Regelung.

Genau darauf deutet der Vorfall in Schleswig-Holstein hin. Nach bisherigen Erkenntnissen des Netzbetreibers war eine fehlerhafte Verbindungsklemme an einer Hochspannungsleitung im Raum Itzehoe Ausgangspunkt einer Kettenreaktion. Durch die anschließenden Netzumschaltungen entstanden außergewöhnliche Spannungsverhältnisse, die sich bis in die Stromversorgung privater Haushalte auswirkten. Die genaue Abfolge der Ereignisse wird weiter untersucht.

Für Wärmepumpen kann eine solche Überspannung gravierende Folgen haben. Wird beispielsweise eine Steuerplatine beschädigt, lässt sich die Anlage unter Umständen überhaupt nicht mehr starten, obwohl der eigentliche Verdichter noch funktionstüchtig ist. Auch Leistungselektronik und Sensorik können betroffen sein. Welche Bauteile tatsächlich ausgefallen sind, lässt sich allerdings nur durch eine fachliche Diagnose feststellen. Dass eine Wärmepumpe unmittelbar nach einem Stromausfall nicht mehr funktioniert, beweist für sich genommen noch keinen Überspannungsschaden.

Hinzu kommt ein praktisches Problem: Ersatzteile sind nicht immer sofort verfügbar. Aus den betroffenen Gemeinden in Schleswig-Holstein wurde berichtet, dass die Lieferung neuer Platinen teilweise bis zu zwei Wochen dauern könne. Für Haushalte ohne funktionierende Heizung ist das in der kalten Jahreszeit eine erhebliche Belastung.

Bei Frost droht ein zweites Risiko

Neben Schäden an der Elektronik kann ein länger dauernder Stromausfall auch die wasserführenden Teile einer Wärmepumpe gefährden. Besonders betroffen sind außen aufgestellte Luft-Wasser-Wärmepumpen in Monoblockbauweise. Bei ihnen befinden sich Teile des Heizwasserkreislaufs im Außengerät. Normalerweise sorgt die Steuerung dafür, dass das Wasser bei niedrigen Temperaturen in Bewegung bleibt oder bei Bedarf erwärmt wird.

Fällt der Strom aus, funktioniert dieser aktive Frostschutz nicht mehr. Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt kann das Wasser in den Leitungen auskühlen und gefrieren. Durch die Ausdehnung des Eises drohen Schäden an Rohren, Wärmetauschern und anderen Bauteilen. Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima warnt, dass bei strengem Frost bereits ein Stromausfall von weniger als einem Tag kritisch werden kann.

Dieses Risiko betrifft allerdings nicht jede Wärmepumpe gleichermaßen. Bei Splitgeräten verlaufen zwischen Innen- und Außeneinheit gewöhnlich Kältemittelleitungen statt Heizwasserleitungen. Das Risiko eingefrierender wasserführender Bauteile im Außenbereich ist dadurch deutlich geringer. Auch spezielle Frostschutzventile oder geeignete Frostschutzkonzepte können bei Monoblockanlagen helfen, Schäden zu vermeiden.

Entscheidend ist deshalb, welche Wärmepumpe installiert wurde und wie ihr Frostschutz ausgeführt ist. Eigentümer sollten sich möglichst schon bei der Installation erklären lassen, welche Maßnahmen bei einem längeren Stromausfall erforderlich sind. Im Ernstfall ist es oft zu spät, erstmals die Bedienungsanleitung zu studieren.

Was Eigentümer nach einem Stromausfall tun sollten

Zeigt die Wärmepumpe nach der Wiederherstellung der Stromversorgung eine Störung, sollte zunächst der angezeigte Fehlercode dokumentiert werden. Es ist sinnvoll, die Störungsmeldung zu fotografieren und den Zeitpunkt des Ausfalls festzuhalten. Von wiederholten Startversuchen oder Eingriffen in die Elektronik ist abzuraten, solange die Ursache nicht geklärt ist.

Bei Verdacht auf einen Überspannungsschaden sollte ein Heizungsfachbetrieb die Anlage überprüfen. Auch der Elektroanschluss kann betroffen sein und muss gegebenenfalls durch eine Elektrofachkraft kontrolliert werden. Besonders wichtig ist ein schriftlicher Befund, aus dem hervorgeht, welche Bauteile beschädigt sind und welche Ursache technisch in Betracht kommt. Diese Unterlagen können später für die Schadensregulierung entscheidend sein.

Verfügt die Wärmepumpe über einen elektrischen Heizstab, lässt sich unter Umständen ein Notbetrieb aktivieren. Er kann die Wärmeversorgung vorübergehend sicherstellen, verbraucht allerdings deutlich mehr Strom als der reguläre Wärmepumpenbetrieb. Voraussetzung ist, dass die dafür erforderlichen Komponenten intakt sind. Ein solcher Notbetrieb sollte nur entsprechend den Herstellerangaben oder nach Rücksprache mit dem Fachbetrieb aktiviert werden.

Bei einem längeren Stromausfall unter Frostbedingungen müssen Besitzer außen aufgestellter Monoblockanlagen besonders schnell handeln. Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima empfiehlt, frühzeitig einen Fachbetrieb einzuschalten, damit gefährdete Leitungen bei Bedarf fachgerecht abgesperrt und entleert werden. Eigenmächtige Eingriffe können Schäden verursachen oder die spätere Wiederinbetriebnahme erschweren.

Auch ein nachgerüsteter Überspannungsschutz kann das Schadensrisiko verringern. Ob die bestehende Elektroinstallation ausreichend geschützt ist und zusätzliche Schutzmaßnahmen sinnvoll sind, sollte ein Elektrofachbetrieb prüfen. Einen vollständigen Schutz gegen sämtliche denkbaren Netzstörungen kann allerdings auch eine solche Einrichtung nicht garantieren.

Wer bezahlt eine beschädigte Wärmepumpe?

Für die betroffenen Eigentümer in Schleswig-Holstein ist neben der Reparatur vor allem die Kostenfrage entscheidend. Der Netzbetreiber SH Netz hat ein eigenes Verfahren für Schadensmeldungen eingerichtet. Nach Angaben des Unternehmens werden die Fälle einzeln technisch und rechtlich geprüft. Bei größeren Schäden wurden erste Regulierungsentscheidungen angekündigt.

Allerdings ist nicht jeder Schaden automatisch in voller Höhe ersatzfähig. Maßgeblich sind unter anderem die Ursache, die rechtliche Anspruchsgrundlage und der nachweisbare Schaden. Auch kann es einen erheblichen Unterschied machen, ob lediglich der Zeitwert eines älteren Geräts ersetzt wird oder die Kosten einer notwendigen Reparatur übernommen werden.

Betroffene sollten deshalb die defekten Bauteile nach Möglichkeit zunächst aufbewahren, Fotos anfertigen, Rechnungen sammeln und den Schaden zeitnah melden. Auch zusätzliche Kosten, etwa für eine vorübergehende Ersatzheizung, sollten dokumentiert werden. Ob solche Folgekosten erstattet werden, muss im Einzelfall geklärt werden. Ein Blick in die Wohngebäudeversicherung ist ebenfalls sinnvoll, denn manche Verträge enthalten einen erweiterten Schutz für technische Anlagen oder Überspannungsschäden.

Bei Reparaturen kann außerdem die Herstellergarantie eine Rolle spielen. Wird eine beschädigte Platine durch einen nicht autorisierten Betrieb ersetzt, können sich je nach Garantiebedingungen Probleme ergeben. Ein automatischer Verlust sämtlicher gesetzlicher Gewährleistungsrechte folgt daraus jedoch nicht. Vor größeren Eingriffen ist es daher ratsam, die Bedingungen zu prüfen und Hersteller beziehungsweise Installationsbetrieb schriftlich einzubeziehen.

Der Stromausfall in Schleswig-Holstein macht damit zwei unterschiedliche Gefahren sichtbar: die unmittelbare Unterbrechung der Wärmeversorgung und mögliche dauerhafte Schäden an der Heiztechnik. Während sich das erste Problem meist mit der Rückkehr des Stroms erledigt, kann das zweite Hausbesitzer wochenlang beschäftigen. Für das betroffene Ehepaar ist diese Unterscheidung wenig tröstlich. Solange die Wärmepumpe nicht repariert ist, bleibt das Haus kalt – obwohl das Stromnetz längst wieder funktioniert.