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Holzöfen und Feinstaub: Wenn gemütliche Wärme zur Belastung wird

Es ist früher Abend, aus mehreren Schornsteinen steigt Rauch auf, der Geruch von verbranntem Holz liegt in der Luft. In vielen Wohngebieten gehört dieses Bild zum Alltag, besonders in den kälteren Monaten. Was für die einen nach Behaglichkeit aussieht, hat eine andere Seite: Holzöfen tragen erheblich zur Feinstaubbelastung bei – stärker, als oft angenommen.

Denkmalgeschützter Kachelofen in einem Altbau (Foto: HLN Lab)

Ein überraschend großer Anteil

Aktuelle Daten zeigen, dass Holzfeuerungen in privaten Haushalten rund 18 Prozent der PM2.5-Emissionen in Deutschland verursachen (externer Link). Damit liegt ihr Anteil über dem des gesamten Straßenverkehrs.

PM2.5 bezeichnet besonders feine Partikel, die tief in die Lunge eindringen können. Sie entstehen vor allem dann, wenn Verbrennungsprozesse nicht vollständig ablaufen – ein Effekt, der bei Holzöfen je nach Bauart und Nutzung unterschiedlich stark ausgeprägt ist.

Dass ausgerechnet eine als „natürlich“ wahrgenommene Heizform so stark zur Luftbelastung beiträgt, verändert die Einordnung im Alltag. Feinstaubwerte liegen bei Öl- und Gasheizungen bei einem Milligramm pro Kubikmeter an Abgasen und sogar darunter; bei Holz sind es 20 Milligramm – wenn es gute Anlagen sind.

Alte Technik, hohe Emissionen

Der Unterschied zwischen verschiedenen Ofentypen ist erheblich. Ältere Anlagen, darunter viele klassische Kachelöfen, arbeiten mit Technik, die nicht auf möglichst saubere Verbrennung ausgelegt ist.

Ihr Vorteil liegt in der Wärmespeicherung: Einmal aufgeheizt, geben sie über Stunden Wärme ab. Die Verbrennung selbst ist jedoch weniger kontrolliert als bei modernen Systemen.

Neue Öfen verfügen über optimierte Luftzufuhr und teilweise über Filtersysteme, die Emissionen reduzieren. Allerdings wird bei neuen Anlagen Holz oft vor allem aus Komfortgründen verbrannt, weil man die Flamme genießt – es geht weniger ums den Wärme-Effekt.

Nutzung als entscheidender Faktor

Neben der Technik spielt die Bedienung eine zentrale Rolle. Wird feuchtes Holz verwendet, fehlt Sauerstoff oder wird das Feuer „gedrosselt“, steigt die Feinstaubbelastung deutlich an.

Auch das Anheizen ist entscheidend. Falsche Methoden führen dazu, dass mehr Partikel entstehen, bevor die Verbrennung stabil läuft.

Generell soll man das Feuer von oben anzünden und nicht von unten. Also: Holzscheite in den Ofen legen, kleines Material oben drauflegen und idealerweise mit einem kleinen Gasbrenner entzünden. Das ist sinnvoll, weil das Feuer von oben langsam durchbrennen kann.

Wenn man das Feuer von unten entfacht, entzündet sich das komplette Holz auf einmal. Gerade wenn der Ofen kalt ist, entstehen dabei viele Brenngase, die nicht vollständig verbrennen können. Wichtig ist auch die Frage, wie feucht das Holz ist.

Die Emissionen entstehen damit nicht nur durch das Gerät, sondern durch die Kombination aus Technik und Nutzung.

Rechtliche Vorgaben im Hintergrund

Die Nutzung von Holzöfen ist in Deutschland über die Bundes-Immissionsschutzverordnung geregelt. Sie legt Grenzwerte fest und verpflichtet Eigentümer älterer Anlagen dazu, diese nachzurüsten oder außer Betrieb zu nehmen, wenn sie die Anforderungen nicht erfüllen.

Diese Regelungen wurden schrittweise eingeführt, um die Belastung zu reduzieren, ohne bestehende Systeme abrupt zu ersetzen.

Für Besitzer älterer Kachelöfen bedeutet das, dass sie sich mit technischen Anforderungen und Fristen auseinandersetzen müssen.

Wahrnehmung und Realität

Holzöfen stehen für eine bestimmte Vorstellung von Wohnen: sichtbares Feuer, gespeicherte Wärme, Unabhängigkeit von zentralen Heizsystemen. Diese Wahrnehmung prägt ihren Stellenwert bis heute.

Gleichzeitig rücken ihre Emissionen stärker in den Fokus. Während große Quellen wie Verkehr oder Industrie lange im Zentrum der Debatte standen, werden kleinere, dezentrale Emittenten genauer betrachtet.

Gerade weil Holzöfen in vielen Haushalten verbreitet sind, entsteht ihre Wirkung vor allem in der Summe.