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Bundesnetzagentur erwartet 2026 leicht sinkende Energiepreise

Die Preise für Strom und Erdgas könnten im Jahr 2026 leicht zurückgehen. Davon geht die Bundesnetzagentur (BNetzA) aus. Nach Einschätzung von Klaus Müller, Präsident der Behörde, sorgen eine geringere Nachfrage, ein wachsendes Energieangebot sowie staatliche Entlastungsmaßnahmen für eine gewisse Preisentspannung. Zugleich betont die Behörde, dass das Preisniveau weiterhin über dem Stand vor dem Beginn des Ukraine-Krieges liegen dürfte.

Strompreise: Entlastung durch Zuschüsse zu Netzentgelten

Für den Strommarkt rechnet die Bundesnetzagentur mit stabilen bis leicht sinkenden Preisen. Ein zentraler Faktor ist dabei ein staatlicher Zuschuss zu den Netzentgelten in Höhe von rund 6,5 Milliarden Euro. Dieser soll die steigenden Kosten aus dem Ausbau der Stromnetze abfedern, die insbesondere durch den zunehmenden Anteil erneuerbarer Energien entstehen.

Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums könnten Verbraucher dadurch um etwa 1,3 bis 2,4 Cent pro Kilowattstunde entlastet werden. Laut dem Vergleichsportal Verivox lag der durchschnittliche Strompreis für Haushalte im Jahr 2025 bei rund 36,5 Cent pro Kilowattstunde. Sollte die prognostizierte Entlastung eintreten, würden sich die Preise in etwa auf dem Niveau des Jahres 2024 einpendeln.

Mittelfristig sieht die Bundesnetzagentur weiteres Potenzial für sinkende Strompreise. Begründet wird dies mit dem kontinuierlichen Ausbau erneuerbarer Energien, der das Angebot am Strommarkt erhöht und tendenziell preisdämpfend wirkt. Gleichzeitig bleiben Netzausbau, Systemstabilität und Reservekapazitäten ein relevanter Kostenfaktor.

Gaspreise: Kurzfristig Entlastung, langfristig Aufwärtsrisiken

Auch für Erdgas erwartet die Bundesnetzagentur im Jahr 2026 zunächst leicht sinkende Preise. Hintergrund ist vor allem eine schwächere Nachfrage infolge der anhaltenden konjunkturellen Abkühlung sowie gut gefüllte Gasspeicher. Zusätzlich wirkt sich die gestiegene Verfügbarkeit von Flüssigerdgas (LNG) auf den europäischen Märkten stabilisierend aus.

Langfristig rechnet die Behörde jedoch wieder mit steigenden Gaspreisen. Als Hauptgründe nennt Klaus Müller die zunehmenden CO₂-Abgaben sowie wachsende Netzentgelte. Da immer mehr Haushalte und Unternehmen auf alternative Heizsysteme wie Wärmepumpen umsteigen, verteilt sich die Finanzierung der Gasnetze auf eine sinkende Zahl von Nutzern. Dies kann zu höheren Kosten pro verbleibendem Anschluss führen.

Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt nach Einschätzung der Bundesnetzagentur maßgeblich davon ab, wie schnell Städte und Gemeinden ihre Gasnetze zurückbauen oder stilllegen. Kommunale Wärmepläne spielen dabei eine zentrale Rolle.

Energiepreise bleiben strukturell erhöht

Trotz der erwarteten Entlastungen bleibt festzuhalten, dass sowohl Strom- als auch Gaspreise weiterhin deutlich über dem Vorkrisenniveau liegen. Ursachen sind unter anderem die Abkehr von russischen Energieträgern, höhere Infrastrukturkosten, neue Klimaschutzauflagen sowie geopolitische Unsicherheiten auf den Energiemärkten.

Die Bundesnetzagentur verweist darauf, dass kurzfristige Preisbewegungen zwar Entlastung bringen können, die langfristige Entwicklung jedoch stark von politischen Entscheidungen, Investitionen in Netze und Erzeugungskapazitäten sowie vom Tempo der Energiewende abhängt. Für Verbraucher und Unternehmen bleibt Planungssicherheit daher ein zentrales Thema.