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Warum immer mehr Solaranlagen Ihren Strom verteuern

Der starke Ausbau privater Photovoltaik-Anlagen dürfte in den kommenden Jahren zu steigenden Netzentgelten für Strom führen. Davon geht die Bundesnetzagentur aus. Um die wachsenden Kosten des Stromnetzes gerechter zu verteilen, fordert die Behörde eine grundlegende Reform der bisherigen Entgeltstruktur.

Photovoltaik-Anlage (Foto: RBS Elektrotechnik GmbH)

Private Solaranlagen senken den Strombezug aus dem öffentlichen Netz, da Haushalte einen Teil ihres Bedarfs selbst decken. Überschüssiger Strom wird eingespeist, während klassische Netzentgelte überwiegend nur auf bezogene Strommengen erhoben werden. Damit schrumpft die Zahl derjenigen, die zur Finanzierung der Netze beitragen.

Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Strominfrastruktur. Immer mehr erneuerbare Erzeuger, Wärmepumpen, Ladepunkte für Elektroautos und Batteriespeicher werden angeschlossen. Der Aus- und Umbau der Netze, ihre Wartung sowie Maßnahmen zur Netzstabilisierung verursachen hohe Kosten. Die Bundesnetzagentur beziffert den Investitionsbedarf auf rund 160 Milliarden Euro.

„Wir sehen, dass sich die Zahl derer, die an der Finanzierung der Netze beteiligt sind, verringert“, sagte Barbie Kornelia Haller auf einer Fachtagung. Ohne Reformen drohten spürbar höhere Kosten – und langfristig Risiken für die Steuerbarkeit der Netze.

Verteilungsproblem bei den Netzentgelten

Nach Einschätzung der Behörde liegt ein strukturelles Ungleichgewicht vor. Bisher tragen vor allem klassische Endverbraucher die Netzkosten. Haushalte mit Photovoltaik-Anlagen, Speicher oder andere sogenannte Prosumer zahlen dagegen nur geringe Netzentgelte, da ihr Strombezug niedrig ist. Gleichzeitig belasten sie das Netz durch Einspeisung, die häufig nicht an die aktuelle Netzsituation angepasst ist.

Die Bundesnetzagentur prüft deshalb Modelle, bei denen sich die Netzentgelte stärker an der tatsächlichen Nutzung und Belastung der Netze orientieren. Künftig könnten auch Einspeiser und Speicherbetreiber stärker in die Finanzierung einbezogen werden. Ziel sei es, netzdienliches Verhalten zu fördern und die Versorgungssicherheit zu erhöhen.

Dynamische Entgelte und Kapazitätspreise im Fokus

Ein möglicher Ansatz sind dynamische Netzentgelte, die sich nach der Auslastung der Netze richten. In Zeiten geringer Belastung könnten sie sinken, während sie bei hoher Auslastung steigen. Das würde Anreize schaffen, Strom zwischenzuspeichern und zeitlich versetzt einzuspeisen.

Zusätzlich erwägt die Behörde sogenannte Kapazitätspreise, zumindest für größere Nutzer. Für Prosumer könnten höhere Grundpreise eingeführt werden. „Wir brauchen Entgeltkomponenten mit Anreizfunktionen, die das Verhalten der Netznutzer tatsächlich beeinflussen“, sagte Haller. So ließen sich teure Eingriffe zur Netzstabilisierung reduzieren.

Reformfahrplan bis 2026

Die Bundesnetzagentur arbeitet derzeit an einer Neuausrichtung des Systems. Erste Zwischenergebnisse sollen noch bis zum Jahresende vorliegen. Mitte 2026 will die Behörde einen ersten Gesamtentwurf präsentieren, der anschließend in eine öffentliche Konsultation geht. Noch sei nicht alles entschieden, betont die Bundesnetzagentur, jetzt sei aber der Zeitpunkt, sich in die Debatte einzubringen.

Folgen für Verbraucher und Anlagenbetreiber

Für Haushalte ohne eigene Stromerzeugung könnten steigende Netzentgelte höhere Stromrechnungen bedeuten. Die Entgelte machen bereits heute rund ein Drittel des Strompreises aus. Aber auch Besitzer von Photovoltaik-Anlagen müssen sich auf Veränderungen einstellen. Künftig könnten sie für Einspeisung stärker zur Kasse gebeten werden oder geringere Vorteile aus der bisherigen Systematik ziehen.

Wer Kosten vermeiden will, dürfte stärker auf Eigenverbrauch und Stromspeicher setzen. Damit ließe sich die Netznutzung reduzieren – genau jenes Verhalten, das die Bundesnetzagentur mit einer Reform der Netzentgelte künftig gezielt fördern will.