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Solardachziegel: Strom erzeugen, ohne das Dachbild zu verändern

Viele Eigentümer wünschen sich eine Photovoltaikanlage, möchten dabei aber nicht das Erscheinungsbild ihres Hauses verändern. Solardachziegel bieten dafür eine Lösung. Sie integrieren Solarzellen direkt in die Dachoberfläche und ersetzen klassische Ziegel, sodass das Dach ein homogenes Bild behält. Doch die Technik ist noch jung, und die Unterschiede zu herkömmlichen Modulen sind erheblich.

Solardachziegel (Symbolbild AI generated)

Was Solardachziegel sind

Solardachziegel verbinden die Funktion eines Dachziegels mit der Stromerzeugung einer Photovoltaikzelle. Die Ziegel bestehen meist aus Glas oder glasähnlichen Verbundstoffen, unter denen Solarzellen eingebettet sind. Jeder einzelne Ziegel liefert nur wenige Watt, erst durch die große Anzahl entsteht eine nennenswerte Leistung.

Die Ziegel werden wie klassische Dachsteine verlegt. Statt einer Aufdachmontage wird die PV-Fläche direkt in die Dachhaut integriert. Optisch entstehen homogene Flächen, die kaum von herkömmlichen Dächern zu unterscheiden sind. Diese Bauweise macht Solardachziegel besonders für Gebäude interessant, bei denen strenge Vorgaben zum Erscheinungsbild gelten, etwa in Altstädten.

Verfügbare Technologien

Aktuell dominieren zwei technische Ansätze: kristalline Solarzellen und Dünnschichttechnologie.

Kristalline Zellen liefern höhere Wirkungsgrade, benötigen aber stabile Trägerstrukturen. Ziegel auf dieser Basis erreichen häufig 12 bis 18 Prozent Wirkungsgrad. Dünnschichtmodule sind flexibler und optisch dezenter, erzeugen aber weniger Strom pro Fläche.

Zusätzlich gibt es Systeme mit integrierten Steckverbindungen, über die die Ziegel elektrisch verschaltet werden. Einige Hersteller setzen auf modulare Großflächen-Elemente, die mehrere Ziegel imitieren, aber in einem Stück verlegt werden. Dadurch sinkt der Installationsaufwand, und die Montage wird effizienter.

Vorteile gegenüber klassischen Photovoltaikanlagen

Der größte Vorteil ist die Optik: Solardachziegel fügen sich harmonisch ins Dach ein und ersetzen andere Dacheindeckungen vollständig. Ein zusätzlicher Vorteil entsteht bei Neubauten oder Komplettsanierungen, weil die Kosten für eine herkömmliche Dacheindeckung entfallen.

Solardachziegel sind zudem widerstandsfähig gegenüber Windlasten, da sie keine Montageschienen benötigen. Auch das Risiko von Undichtigkeiten ist geringer, weil die Dachhaut ohne Bohrungen auskommt.

Für Altstädte oder Gebiete mit architektonischen Auflagen sind Solardachziegel oft die einzige PV-Option, die genehmigungsfähig ist. Auch Hauseigentümer, die ein einheitliches Erscheinungsbild wünschen, profitieren von der integrierten Lösung.

Nachteile und Einschränkungen

Der größte Nachteil ist die geringere Leistung pro Quadratmeter. Solardachziegel erzeugen im Schnitt deutlich weniger Strom als herkömmliche Aufdachanlagen. Um vergleichbare Leistungen zu erzielen, wird eine größere Dachfläche benötigt.

Auch die Kosten liegen deutlich höher. Produktion, Material und Installation sind komplexer, und Reparaturen erfordern oft das Austauschen einzelner Ziegel, was den Aufwand erhöht. Die Technik ist weniger verbreitet, wodurch die Verfügbarkeit von Ersatzteilen und spezialisierten Installateuren eingeschränkt sein kann.

Zudem ist die Integration starrer Ziegel aufwändiger, wenn das Dach verwinkelt ist oder viele Durchdringungen aufweist. Klassische PV-Anlagen lassen sich in solchen Fällen meist flexibler montieren.

Kosten für Solardachziegel

Die Preise hängen vom Hersteller, der Technologie und der Größe der Dachfläche ab. Für Solardachziegel liegen die Kosten häufig zwischen 200 und 400 Euro pro Quadratmeter Dachfläche. Bei größeren Anlagen oder besonderen Dachformen kann der Preis steigen.

Ein typisches Einfamilienhaus muss je nach Dachgröße und Leistungsbedarf mit Gesamtkosten zwischen 30.000 und 60.000 Euro rechnen. Inklusive Anschlussarbeiten und Wechselrichter ist eine Solardachziegelanlage damit meist deutlich teurer als eine klassische Photovoltaikanlage, die oft schon für 15.000 bis 25.000 Euro erhältlich ist.

Wer das Dach ohnehin sanieren muss, kann die Kosten teilweise relativieren, da die neue Dacheindeckung nicht zusätzlich bezahlt werden muss. Dennoch bleibt der Aufpreis im Vergleich zu herkömmlicher PV spürbar.

Für wen sich Solardachziegel eignen

Solardachziegel sind besonders sinnvoll, wenn das Erscheinungsbild des Hauses im Vordergrund steht oder wenn eine klassische PV-Anlage aus gestalterischen oder baurechtlichen Gründen nicht umsetzbar ist. Neubauten profitieren davon, dass keine zwei Systeme (Dachdeckung und PV) installiert werden müssen.

Für Hauseigentümer, die hohe Stromerträge und schnelle Amortisation anstreben, bleibt eine klassische Photovoltaikanlage oft die wirtschaftlichere Lösung. Die Technik entwickelt sich jedoch weiter, und es ist zu erwarten, dass Solardachziegel in den kommenden Jahren effizienter und preislich konkurrenzfähiger werden.