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Solarstromverbrauch steigt rasant – hoher Anteil erreicht das öffentliche Netz nicht

Der Eigenverbrauch von Solarstrom wächst deutlich schneller als bislang angenommen. Neue Auswertungen des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme zeigen, wie stark sich Haushalte und Unternehmen seit einigen Jahren vom Strommarkt unabhängiger machen. Gleichzeitig verändert sich die Struktur der Photovoltaikbranche: Immer mehr Anlagen sind kleiner dimensioniert, stärker auf den Eigenbedarf ausgerichtet und häufig mit Batteriespeichern gekoppelt. Für das Energiesystem entstehen dadurch neue Chancen, aber auch neue Anforderungen.

Grüne Energie für jedes Budget – der Balkon wird zum eigenen Kraftwerk (Foto: Albert Pfäffle GmbH)

Deutlicher Anstieg des selbst genutzten Solarstroms

Während Anlagenbetreiber im Jahr 2020 noch 3,55 Terawattstunden selbst verbrauchten, lag der Wert 2022 bereits bei 5,57 Terawattstunden. 2023 kletterte der Eigenverbrauch weiter auf 8,20 Terawattstunden. Im Jahr 2024 erreichte er schließlich 12,28 Terawattstunden und damit gut 17 Prozent der insgesamt erzeugten Solarstrommenge. Im Vorjahr betrug dieser Anteil noch 13 Prozent. Parallel dazu speisten die Betreiber knapp 60 Terawattstunden in die Netze ein, sodass die gesamte Solarstromproduktion inzwischen über 72 Terawattstunden liegt.

Die Analyse des Fraunhofer-Instituts basiert auf Daten aus dem Marktstammdatenregister sowie Informationen der Übertragungsnetzbetreiber. Erfasst wurden unterschiedliche Anlagetypen, Leistungsklassen und Inbetriebnahmedaten. Daraus erstellten die Wissenschaftler 44 Verbrauchsprofile, die das Einspeise- und Speicherverhalten verschiedener Nutzergruppen abbilden.

Veränderungen im Anlagenbau und bei der Speichertechnik

Ein Grund für die Entwicklung ist die über Jahre sinkende Einspeisevergütung. Gerade private Betreiber entschieden sich daher zunehmend für kleinere PV-Systeme, die stärker auf den eigenen Verbrauch zugeschnitten sind. Parallel verbreiteten sich Batteriespeicher sehr schnell. Im Jahr 2020 verfügten etwa die Hälfte der neuen Anlagen über einen Speicher. 2025 sind es bereits rund 86 Prozent. Diese Technik verschiebt den Eigenverbrauch in die Abend- und Nachtstunden und erhöht die Unabhängigkeit vom Stromnetz.

Für die Forscher ist der Trend eindeutig: Mit steigenden Strompreisen und sinkenden Kosten für Speicher dürften Haushalte künftig noch mehr Solarstrom selbst nutzen. Hinzu kommt ein wachsender Strombedarf durch Wärmepumpen und Elektrofahrzeuge. Viele Betreiber sehen darin eine Möglichkeit, Betriebskosten zu senken und Preisschwankungen am Strommarkt zu vermeiden.

Bedeutung für das Energiesystem

Der wachsende Eigenverbrauch hat auch Auswirkungen auf das Stromnetz. Wenn mehr Energie direkt dort genutzt wird, wo sie erzeugt wurde, sinkt die Belastung der Infrastruktur. Kritische Netzabschnitte können entlastet werden, während lokale Überschüsse reduziert werden. Gleichzeitig verändert sich die Rolle der Photovoltaik im Energiesystem: Sie wird weniger als reine Einspeisetechnologie betrachtet, sondern zunehmend als Bestandteil dezentraler Versorgungskonzepte.

Die Wissenschaftler betonen, dass dieser Trend langfristig auch die Handlungsspielräume für Netzbetreiber erweitert. Wenn Verbrauch und Erzeugung häufiger vor Ort zusammenfallen, reduzieren sich Netzverluste und Abregelungen. Allerdings steigen die Anforderungen an eine präzise Planung, weil sich das Lastprofil im Tagesverlauf verändert und mehr Flexibilität im Netzmanagement notwendig wird.

Ausblick

Der Eigenverbrauch dürfte in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Neben wirtschaftlichen Gründen spielt auch die technische Entwicklung eine Rolle. Batteriesysteme werden effizienter und günstiger, Wärmepumpen lassen sich besser mit PV-Anlagen kombinieren, und intelligente Steuerungen verteilen den Solarstrom bedarfsgerecht. Gleichzeitig könnten politische Vorgaben, etwa im Rahmen künftiger Gebäudestandards, den Trend verstärken.

Für das Stromsystem insgesamt entsteht damit eine neue Balance zwischen zentraler und dezentraler Erzeugung. Die Daten des Fraunhofer-Instituts zeigen, wie dynamisch sich dieser Markt entwickelt und wie stark sich das Verbrauchsverhalten vieler Haushalte und Betriebe verändert hat.