Wenn die Wohnung leer steht, scheint es logisch, die Heizung ganz auszuschalten. Schließlich verbraucht niemand Wärme, wenn niemand da ist. Doch dieser Ansatz kann schnell ins Gegenteil umschlagen. Wer die Heizung zu stark absenkt, riskiert ausgekühlte Räume, feuchte Wände und einen höheren Energieverbrauch beim erneuten Aufheizen.

Warum man die Heizung nie ganz ausschalten sollte
Auch in Abwesenheit sollte eine Wohnung nie vollständig auskühlen. Wird es im Inneren zu kalt, kann sich Feuchtigkeit an Wänden und Fenstern niederschlagen. Bleibt sie dort über längere Zeit, droht Schimmelbildung – besonders in schlecht gedämmten Altbauten oder in Räumen mit wenig Luftzirkulation.
Zudem kostet das Wiederaufheizen mehr Energie, als viele denken. Wenn Möbel, Wände und Böden komplett auskühlen, speichern sie Kälte und benötigen lange, um wieder auf Wohlfühltemperatur zu kommen. Das Heizsystem muss dann über Stunden auf Volllast laufen, um die gespeicherte Kälte auszugleichen.
Eine moderate Absenkung spart daher mehr Energie, als die Heizung komplett auszuschalten.
Die ideale Absenktemperatur bei Abwesenheit
Als Faustregel gilt: Die Raumtemperatur sollte nicht unter 16 Grad Celsius fallen. Diese Temperatur verhindert, dass Feuchtigkeit kondensiert, und reicht aus, um die Bausubstanz trocken zu halten.
In stark genutzten Räumen wie Wohnzimmer oder Küche kann die Heizung tagsüber ruhig auf Stufe 2 stehen, wenn niemand zu Hause ist. In wenig genutzten Räumen wie Flur oder Gästezimmer genügt Stufe 1 bis 1,5.
Bei längerer Abwesenheit – etwa über ein Wochenende – ist es sinnvoll, die Temperatur auf 14 bis 16 Grad zu senken. Wer mehrere Tage verreist, kann die Thermostate entsprechend einstellen oder programmieren. In sehr kalten Winterwochen sollte man jedoch vermeiden, die Heizung vollständig abzuschalten, da sonst Leitungen einfrieren können.
Automatische Absenkung mit Thermostatsteuerung
Moderne Thermostate erleichtern das Energiesparen erheblich. Elektronische Modelle lassen sich programmieren, sodass sie die Temperatur automatisch absenken, wenn niemand zu Hause ist, und rechtzeitig vor der Rückkehr wieder aufheizen.
Smart-Home-Systeme erkennen über Bewegungssensoren oder Standortdaten, ob jemand anwesend ist, und passen die Heizleistung dynamisch an. So bleibt die Wohnung geschützt, ohne dass unnötig Energie verloren geht.
Eine weitere Option sind Thermostatventile mit Nachtabsenkung: Sie halten tagsüber niedrigere Temperaturen und erhöhen die Heizleistung nur in den gewünschten Zeiten – etwa morgens und abends.
Einfluss der Bauweise
Wie stark man die Heizung absenken kann, hängt auch vom Gebäudetyp ab.
- Gut gedämmte Neubauten speichern Wärme länger, sodass eine stärkere Absenkung möglich ist. Selbst nach mehreren Stunden sinkt die Raumtemperatur kaum unter 18 Grad.
- Altbauten mit schlechter Dämmung kühlen deutlich schneller aus. Hier sollte die Temperatur nicht unter 16 Grad fallen, um Feuchtigkeit und Schimmel zu vermeiden.
- Erdgeschosswohnungen über unbeheizten Kellern sind besonders empfindlich. Ein Minimum von 17 Grad ist hier ratsam, um kalte Böden und Kondenswasser zu verhindern.
Die Balance liegt darin, Energie zu sparen, ohne das Raumklima zu gefährden.
Heizung bei längerer Abwesenheit
Wer für längere Zeit verreist, sollte die Heizung in Frostschutzstellung bringen. Diese Funktion hält die Leitungen über einem kritischen Temperaturwert und schützt vor Einfrieren. Besonders in Häusern mit Wasserheizungen oder ungedämmten Leitungen ist das wichtig.
Vor der Abreise lohnt es sich außerdem, die Ventile leicht geöffnet zu lassen, damit das Heizwasser zirkulieren kann. Bei komplett geschlossenen Thermostaten kann sich Druck aufbauen, der langfristig Ventile beschädigt.
Richtiges Lüften spielt mit
Auch wenn niemand zu Hause ist, sollte regelmäßig gelüftet werden – zumindest über gekippte Fenster in kurzen Intervallen oder über automatische Lüftungssysteme. Dadurch bleibt die Luftfeuchtigkeit niedrig, was Schimmelbildung verhindert und das Raumklima stabil hält.
In Kombination mit einer moderaten Heizungseinstellung sorgt das für den besten Energiemix: geringere Kosten bei gleichzeitiger Schonung der Bausubstanz.
Praktisch denken, statt komplett abdrehen
Energie spart, wer die Heizung intelligent nutzt – nicht, wer sie ganz ausschaltet. Eine moderate Absenkung auf 16 bis 18 Grad genügt meist völlig, um unnötigen Verbrauch zu vermeiden und gleichzeitig Schäden vorzubeugen.
Mit programmierbaren Thermostaten lässt sich das automatisch steuern. So bleibt die Wohnung in Ihrer Abwesenheit sicher, und bei Ihrer Rückkehr erwartet Sie kein kalter Empfang, sondern eine wohltemperierte, trockene Umgebung.



