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Was gilt nächstes Jahr im Heizungskeller? Das müssen Hausbesitzer wissen

„Wir wollen das Heizungsgesetz abschaffen“ – dieser Satz aus dem Koalitionsvertrag von Union und SPD prägt seit Monaten die Debatte. Konkrete politische Entscheidungen sind bislang jedoch ausgeblieben. Für Verbraucher, Handwerksbetriebe und Hersteller hat diese Hängepartie spürbare Folgen. Der Heizungsmarkt schwächelt, Investitionen werden aufgeschoben, Planungen vertagt.

Bis Ende Oktober wurden in Deutschland rund 529.000 Heizungen verkauft. Nach Angaben des Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie entspricht das einem Rückgang von rund 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Verband spricht von einem der schwächsten Ergebnisse der vergangenen zehn Jahre. Besonders stark betroffen ist der Gesamtmarkt, nicht einzelne Technologien.

Aus klimapolitischer Sicht zeigt sich allerdings eine klare Verschiebung: Der Absatz von Ölheizungen ist um 77 Prozent eingebrochen, nur noch rund 19.000 Geräte wurden installiert. Gasheizungen verloren ebenfalls deutlich und kamen auf etwa 229.500 Einheiten. Wärmepumpen übernahmen erstmals die Spitzenposition mit rund 255.000 verkauften Geräten, ein Plus von 57 Prozent. Biomasseheizungen wie Pelletanlagen legten moderat zu.

Gesetzliche Vorgaben prägen den Markt

Diese Entwicklung ist eng mit dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) verknüpft, das 2023 verabschiedet wurde. Es schreibt vor, dass neue Heizungen grundsätzlich zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen. Ziel ist es, den Gebäudesektor bis 2045 klimaneutral zu machen. Ausnahmen und Übergangsfristen bestehen, die langfristige Richtung ist jedoch festgelegt.

Geplant war ursprünglich ein jährlicher Absatz von rund 500.000 Wärmepumpen. Dieses Ziel wird deutlich verfehlt. Selbst das Rekordjahr 2023 mit 356.000 Geräten bleibt unerreicht – trotz umfangreicher staatlicher Förderung von bis zu 70 Prozent der Investitionskosten.

Politische Unklarheit bremst Investitionen

Der Heizungsindustrie zufolge liegt die Hauptursache nicht in mangelnder Nachfrage, sondern in politischer Unsicherheit. BDH-Hauptgeschäftsführer Markus Staudt spricht von einer grundlegenden Verunsicherung der Verbraucher. Nach jahrelanger Kritik der Union am Heizungsgesetz sei nun unklar, was mit der Ankündigung der Abschaffung konkret gemeint sei.

Bislang wurde lediglich bekannt, dass das Gesetz möglicherweise umbenannt werden soll – von Gebäudeenergiegesetz zu „Gebäudemodernisierungsgesetz“. Inhaltliche Änderungen sind offen. Dabei ist der politische Spielraum begrenzt: Das Bundesverfassungsgericht verpflichtet die Bundesregierung, wirksame Maßnahmen zur Erreichung der Klimaneutralität bis 2045 zu ergreifen und diese nicht vollständig in die Zeit nach 2030 zu verschieben.

Streitpunkt 65-Prozent-Regel

Im Zentrum der Koalitionsdebatte steht die 65-Prozent-Regel. Die SPD will daran festhalten, die Union plädiert für eine flexiblere Ausgestaltung. Diskutiert werden alternative Steuerungsinstrumente wie ein stärker steigender CO₂-Preis mit sozialem Ausgleich. Unabhängig vom Mechanismus bleibt jedoch die Tatsache bestehen, dass fossile Heizungen langfristig ersetzt werden müssen.

Für Verbraucher ist diese Systemfrage oft zweitrangig. Entscheidend sind Kosten, Förderhöhe und Planungssicherheit. Technisch unterscheiden sich die Optionen klar: Gas- und Ölheizungen nutzen keine erneuerbaren Energien, Wärmepumpen hingegen vollständig.

Förderung als zentraler Faktor

Aktuell können Eigentümer weiterhin Förderanträge bei der KfW stellen. Bewilligte Anträge behalten ihre Gültigkeit, selbst wenn sich die Rechtslage später ändert. Dennoch wächst die Sorge, dass Förderbedingungen kurzfristig angepasst oder gekürzt werden könnten.

Bis spätestens Ende Januar wollen Wirtschaftsministerin Katharina Reiche und Bauministerin Verena Hubertz einen Gesetzentwurf vorlegen. Branchenverbände warnen vor weiteren Verzögerungen. Wolfgang Weber vom ZVEI mahnt, die Förderung dürfe nicht aus rein symbolischen Gründen infrage gestellt werden.

Eine aktuelle Umfrage der staatlich finanierten Organisation CO2Online zeigt: Die Wärmepumpe ist mit 58 Prozent Zustimmung inzwischen die beliebteste Heizungsform. Viele Eigentümer zögern dennoch, weil verlässliche Rahmenbedingungen fehlen. Für den Markt bleibt damit vorerst nur eines sicher: Ohne klare politische Entscheidungen wird die Investitionszurückhaltung anhalten.