Die deutschen Gasspeicher sind zu Beginn des Jahres ungewöhnlich leer. Nach Daten der europäischen Gasbranche lagen die Füllstände Anfang Januar so niedrig wie noch nie zu diesem Zeitpunkt seit Beginn der systematischen Erfassung im Jahr 2011. Die Entwicklung weckt Sorgen bei Speicherbetreibern und Energieverbänden.

Nach Angaben von Gas Infrastructure Europe waren die deutschen Speicher am 5. Januar 2026 nur zu rund 53 Prozent gefüllt. Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres lag der Wert um etwa 20 Prozentpunkte höher.
Für diese Woche hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) Unwetterwarnungen für weitere Teile Deutschlands mit Alarmstufe Rot ausgerufen: Minustemperatuen, starker Schneefall, Sturmböen sowie Eisregen.
Bereits Ende Dezember 2025 unterschritt Deutschland mit knapp 59 Prozent deutlich den europäischen Durchschnitt. Schon im September 2025, also noch vor Beginn der Heizperiode, war mit rund 77 Prozent ein historisch niedriger Stand erreicht worden.
Verbände warnen vor strukturellem Risiko
Der Branchenverband Initiative Energien Speichern sieht in den aktuellen Zahlen mehr als eine wetterbedingte Momentaufnahme. Geschäftsführer Sebastian Heinermann verweist darauf, dass die vorhandenen Speicher im Fall eines außergewöhnlich kalten Winters nicht ausreichen könnten, um die Versorgung im Winter abzusichern – selbst unter Berücksichtigung der neuen LNG-Importkapazitäten. Aus Sicht des Verbands seien politische Spielräume zur Vorsorge nicht ausgeschöpft worden.
Tatsächlich sinken die Speicherstände derzeit netto um mehr als einen Prozentpunkt pro Tag. Ursache ist die anhaltend hohe Nachfrage infolge niedriger Temperaturen sowie der laufende Verbrauch in Industrie und Haushalten. Nach der geltenden Gasspeicherfüllstandsverordnung müssen die Speicher bis zum 1. Februar noch mindestens zu 30 Prozent gefüllt sein. Dieses Ziel gilt derzeit als erreichbar, allerdings nur knapp.
Entwarnung von der Bundesnetzagentur – mit Einschränkungen
Die Bundesnetzagentur bewertet die Lage für den laufenden Winter bislang weniger dramatisch. In ihrem aktuellen Lagebericht geht die Behörde von einem geringen akuten Versorgungsrisiko aus. Zusätzliche Liefermengen könnten über LNG-Terminals sowie über Importe aus europäischen Partnerländern wie Norwegen, Frankreich oder Belgien bereitgestellt werden.
Gleichzeitig räumt auch die Bundesnetzagentur ein, dass die strukturelle Abhängigkeit von Importen fortbesteht. Russland als früherer Hauptlieferant fällt seit Beginn des Ukraine-Krieges weg. Alternative Bezugsquellen – etwa langfristige Lieferverträge mit Katar – kommen bislang nur begrenzt zum Tragen. Politische und regulatorische Fragen, darunter Vorgaben aus dem europäischen Lieferkettenrecht, verzögern entsprechende Vereinbarungen.
Unsichere Perspektiven für Preise und Versorgung
Damit bleibt die Lage über diesen Winter hinaus angespannt. Niedrige Speicherstände erhöhen nicht nur das Versorgungsrisiko in Kälteperioden, sondern wirken sich auch auf die Preisbildung aus. Je geringer die strategischen Reserven, desto sensibler reagiert der Markt auf Nachfragespitzen oder Lieferstörungen. Für Verbraucher und Industrie bedeutet das eine anhaltend hohe Unsicherheit bei den Energiekosten.
Zwar hat Deutschland seine Importinfrastruktur in kurzer Zeit deutlich ausgebaut, insbesondere durch schwimmende LNG-Terminals. Doch Speicher gelten weiterhin als zentrale Sicherheitsreserve des Energiesystems. Wie schnell und in welchem Umfang sie in den kommenden Monaten wieder gefüllt werden können, hängt nicht zuletzt von politischen Rahmenbedingungen, internationalen Märkten und dem weiteren Verlauf des Winters ab.



