Die Sorge vor den Folgen des Klimawandels ist in Deutschland rückläufig. Das zeigt eine aktuelle repräsentative Befragung des Institut für Demoskopie Allensbach, die im Auftrag der BMW Foundation Herbert Quandt durchgeführt wurde. Gleichzeitig sinkt die Zustimmung zur konkreten Ausgestaltung der Energiewende – obwohl eine Mehrheit deren grundsätzliche Notwendigkeit weiterhin bejaht.

Deutlich weniger „große Sorgen“ als 2019
Nur noch 36 Prozent der Befragten äußern „große Sorgen“ hinsichtlich der Folgen des Klimawandels. 41 Prozent machen sich „weniger große Sorgen“, 20 Prozent haben „kaum“ oder „gar keine Sorgen“. Drei Prozent zeigen sich unentschlossen.
Zum Vergleich: 2019 lag der Anteil derjenigen mit „großen Sorgen“ noch bei 51 Prozent – dem bisherigen Höchststand. In diese Zeit fielen die Klimaproteste von Fridays for Future sowie starke Wahlergebnisse der Grünen. Seitdem ist ein kontinuierlicher Rückgang zu beobachten.
Die Wahrnehmung unterscheidet sich deutlich zwischen Bevölkerungsgruppen. Frauen, jüngere Menschen, Befragte aus höheren sozialen Schichten sowie Anhänger der Grünen messen dem Klimawandel größere Bedeutung bei als Männer, ältere Personen, sozial schwächere Gruppen oder Anhänger der AfD.
Zustimmung zur Energiewende bröckelt
Besonders stark verändert hat sich die Einschätzung, ob Deutschland bei der Energiewende auf dem richtigen Kurs ist. Innerhalb eines Jahres sank der Anteil derjenigen, die die aktuelle Richtung befürworten, von 52 auf 33 Prozent. Gleichzeitig äußern inzwischen 26 Prozent Zweifel an der Zielerreichung.
Gleichwohl halten 60 Prozent die Energiewende grundsätzlich für notwendig. Nur 25 Prozent sehen sie als überflüssig an. Auch beim Atomausstieg zeigt sich ein differenziertes Bild: 43 Prozent bewerten den Ausstieg aus der Kernenergie und den Fokus auf erneuerbare Energien als richtigen Weg, 38 Prozent halten die Entscheidung für falsch.
Die Daten deuten damit auf eine Diskrepanz hin: Die strategische Zielsetzung wird mehrheitlich unterstützt, die praktische Umsetzung jedoch zunehmend kritisch bewertet.
Wirtschaftliche Belastungen im Fokus
Als Gründe für die veränderte Stimmungslage nennen die Forscher mehrere Faktoren. Geopolitische Spannungen – insbesondere der Krieg Russlands gegen die Ukraine –, wirtschaftliche Unsicherheiten und eine insgesamt angespannte Lage prägen derzeit die politische Agenda. Themen wie äußere und innere Sicherheit sowie wirtschaftliche Stabilität haben für viele Bürger Vorrang.
Eine zentrale Rolle spielen dabei Energiepreise. Hohe Strom- und Energiekosten gelten als Belastung für private Haushalte wie auch für Unternehmen. Das Energiewende-Barometer 2025, eine Befragung der IHK-Organisation unter rund 3.600 Betrieben, zeigt: 41 Prozent aller Unternehmen und 63 Prozent der Industrie sehen sich durch hohe Energiepreise im internationalen Wettbewerb benachteiligt.
Strukturelle Ursachen der Preisentwicklung
Der Ausbau erneuerbarer Energien hat den deutschen Strommix grundlegend verändert. Wind- und Solarenergie liefern inzwischen einen erheblichen Anteil der Stromproduktion, sind jedoch wetterabhängig. In Phasen geringer Einspeisung – etwa bei sogenannten Dunkelflauten im Winter – entstehen Versorgungslücken. Wenn gleichzeitig die Nachfrage hoch bleibt, insbesondere in der Industrie, kann dies zu steigenden Preisen führen. Teilweise wird dann zusätzlicher Strom zu höheren Kosten aus dem Ausland importiert.
Vor diesem Hintergrund wird die Energiewende zunehmend unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten diskutiert. Während ein Großteil der Bevölkerung weiterhin Klimaschutzmaßnahmen befürwortet, wächst die Sensibilität für deren Kosten und für Fragen der Versorgungssicherheit.



